Gehen oder bleiben?

Es ist wie das Zittern der Fingerspitzen eines Süchtigen. Du spürst das Kribbeln, die feuchten Innenseiten Deiner Hände. Du weißt es… Du brauchst es. Jede Ablenkung ist lediglich eine Ablenkung auf Zeit. Deine Gedanken sind wie ein Strudel, der nur eine Richtung kennt: Raus! Diese Gefühl ist die Sucht nach der Welt, denn das hier ist nicht alles und Du weißt es.

Das Fernweh zieht an unserem Rockzipfel. Wie ein kleines Kind, das mit Dir spielen möchte: „Na los… Komm schon… Ich warte auf Dich… Wo bleibst Du denn? Lass uns endlich eine Sandburg bauen.“

Du flüchtest Dich in Gedanken. Atmest ein. Atmest aus. Dein Herz pocht in Deiner Brust und Du erinnerst Dich wie sich warmer Sand zwischen Deinen Zehen anfühlt, wie das Meereswasser Deine Haare herunter tropft und eine Gänsehaut auf Deine Haut zaubert. Und diese Gedanken beherrschen ohne Unterbrechung Deinen Alltag. Landkarten, Souvenirs und Träume erinnern Dich schmerzlich an Deine vergangene Liebe… Das Reisen. Es ist wie Liebeskummer einer nicht ganz beendeten Beziehung. Es ist vorbei, aber Du weißt, dass ihr noch eine Chance habt und nur die Zeit euch wieder vereinen kann.

Warum fühlen wir uns nur auf Reisen wie wir selbst? Wie der richtige Mensch, der wir in unserem normalen Leben eigentlich nicht sein können, müssen, dürfen? Warum sind wir nur dort so lebendig und so präsent wie wir es sonst nie schaffen zu sein?

Und plötzlich stellt sich uns die Frage, ist unsere Heimat noch unsere Heimat? Oder ist Heimat der Ort wo Dein Herz ist? Mal sehnst Du Dich nach der Ferne und mal nach Deinem zu Hause. Du lebst zwei Leben. Und entweder versuchst Du aus zwei eins zu machen oder lebst zwei und akzeptierst es. Aber vielleicht drängt sich Dir der Gedanke auf, dass Du genau das nicht bist. Das dies hier nicht Deine Heimat ist und Dein Herz schon längst nicht mehr hier wohnt. Das Dich Sonne, Meer und Sterne davongetragen haben und Deine Seele bereits reist, auch wenn Dein Körper sich immer noch versucht in Sicherheit zu wiegen. Und nun? Bleibst Du oder gehst Du? Sicherheit versus Abenteuer. Heimat versus Fremde. Und vielleicht doch eine Heimat in der Fremde?

5 Responses

  1. 10 März 2016 at 1:23 pm

    „Warum fühlen wir uns nur auf Reisen wie wir selbst?“ Das ist eine unglaublich gute Frage! Schön geschrieben, ich teile viele Gedanken! By the way, tolle Karte hast du im Footer, verrätst du mir wo die herkommt? 🙂 Alles Liebe & Gutes Karma, Laura

    • Alexandra
      Antworten
      11 März 2016 at 11:18 am

      Hey Laura, danke für Dein liebes Feedback… Seltsam das so viele von uns sich so gleich fühlen, aber schön zu wissen, dass man damit nie alleine ist.
      Bezüglich der Karte kannst Du Dich mal an Dennis von stoptaste wenden. Er kann Dir sicher helfen, so wie er mir geholfen hat hat: http://www.stoptaste.com
      Dir auch von Herzen nur das Beste

  2. 12 April 2016 at 4:19 pm

    Wow.voll ins schwarze getroffen! Du sprichst mir aus der Seele. Da kommt das Kribbeln sofort wieder!!!
    Danke für diesen Anschub zum Nachdenken!!!

    Liebe Grüße,
    Jessica

    • Alexandra
      Antworten
      13 April 2016 at 9:11 am

      Hey Jessica, danke für Deinen Kommentar. Ja wir Süchtigen kenne das 🙂 Sehr gerne!!
      Liebe Grüße, Alex

* All fields are required